Familiäre Hypercholesterinämie

Wenn schlanke Menschen trotz viel Bewegung und gesunder Ernährung dauerhaft zu hohe Cholesterinwerte haben, kann eine Familiäre Hypercholesterinämie vorliegen. Sie gehört in Deutschland zu den häufigsten genetischen Stoffwechselerkrankungen.

 

In der Regel sind die Blutwerte schon in der Kindheit auffällig. Einige Patienten in nahezu jeder Hausarztpraxis sind von familiärer Hypercholesterinämie (FH) betroffen. Die molekulargenetische Diagnostik ist der Goldstandard zur Absicherung der Diagnose. Sie liefert die Begründung für eine intensive Behandlung und vereinfacht das Screening der Familienmitglieder. Durch die frühe und eindeutige Diagnostik kann bei einer Vielzahl der Betroffenen das Arteriosklerose-Risiko auf das der Allgemeinbevölkerung gesenkt werden.

Anzeichen für eine FH:

Klinik

  • Tendinöse Xanthome der Fingerstrecksehnen und der Achillessehnen
  • Arcus corneae (Greisenbogen) im Alter unter 45 Jahren
  • frühe KHK bzw. Arteriosklerose
  • positive Familienanamnese

Labor

  • Cholesterin-Werte ≥ 310 mg/dl bei Erwachsenen bzw. ≥ 230 mg/dl bei Kindern /Jugendlichen < 18 Jahre
  • LDL-Cholesterin-Wert >190 mg/dl, bei Kindern unter 16 Jahren >155 mg/dl
  • LDL-Cholesterinwerte > 325 mg/dl sind nach den „Dutch Lipid Clinic Kriterien“ nahezu beweisend für eine FH.

 

 

 

 

 

Nutzen der Molekulargenetischen Diagnostik

  • zuverlässige Bestätigung der Verdachtsdiagnose
  • Begründung der Behandlungsintensität
  • bessere Prognoseabschätzung
  • Vereinfachung des Screenings von Verwandten Betroffener und wertvolle Hilfestellung bei der Familienberatung
  • gezielte Therapie durch Abgrenzung zu anderen Formen von Fettstoffwechselstörungen

Weiterführende Informationen  zur Diagnose finden sie in den Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V. und den Empfehlungen der European Society of Cardiology sowie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V.

Durchführung der Molekulargenetischen Diagnostik

Für die Anforderung der Untersuchung ist folgendes zu beachten:

  • Probenmaterial: 5 ml EDTA-Blut
  • Anforderung mit Anforderungsschein "Molekulargenetische Diagnostik" (enthält Einverständniserklärung nach Gendiagnostikgesetz) und Überweisungsschein (Muster 10) unter Angabe des ICD-10 Codes [E78.0], Auftrag: FH-Genotypisierung

Bei der Anforderung „FH-Genotypisierung“  untersuchen wir mit unserem Gen-Panel „Familiäre Hypercholesterinämie“ jene Mutationen, die für bis zu 90% der Fälle verantwortlich sind. Werden keine Veränderungen gefunden und besteht weiterhin ein FH-Verdacht testen wir, nach Rücksprache mit Ihnen, die seltenen Mutationen.

Gerne stehen wir Ratsuchenden und Patienten in unserer genetischen Beratung an mehreren Standorten zur Seite.

Kassenleistung ohne Erhöhung des Fallwertes

Die Gen-Panel-Diagnostik ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Als Leistung des EBM-Kapitels 11 erhöht sie nicht den individuellen arztspezifischen Fallwert Ihrer Praxis.

Hintergrundinformationen zur FH

 

Epidemiologie

Die FH ist eine der häufigsten genetisch bedingten (vererbten) Stoffwechselstörungen. Die Prävalenz in Deutschland liegt zwischen 1:200 und 1:500. Somit sind zwischen 160.000 und 400.000 Menschen betroffen. Diese haben ein permanent erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Die Erkrankung ist unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Wahrscheinlich sind in Deutschland nur ca. 15% der Fälle bekannt. Die Diagnose wird typischerweise erst nach einem frühen koronaren Ergebnis gestellt bzw. bei familiärer Häufung von Myokardinfarkten.

Genetik

In erster Linie liegen Mutationen in den Genen des LDL-Rezeptors (80 % der Fälle), des Apolipoproteins B-100 und/oder des PCSK9 Proteins vor, die in ihrer Konsequenz die Funktion des LDL-Rezeptors beeinflussen und zu einem gestörten LDL-Abbau führen.
Heterozygot betroffene Patienten machen den Großteil der Erkrankten aus (über 95%). Bei diesen ist das Risiko für eine frühzeitige koronare Herzerkrankung (KHK) 20-fach erhöht und eine symptomatische Koronargefäßerkrankung vor dem 50. Lebensjahr wahrscheinlich. Die homozygote Form ist ausgesprochen selten. Werden diese Patienten nicht behandelt, versterben sie oft schon vor dem 30. Lebensjahr an einen Myokardinfarkt.
Die Schwere der Mutation wirkt sich unterschiedlich auf das kardiovaskuläre Risiko im Erwachsenenalter aus. Daher ist die Kenntnis der vorliegenden genetischen Defekte bedeutend für die Patientenbetreuung.

Therapie

Ziel der Therapie ist eine deutliche Senkung des LDL-Spiegels, wobei, je nach Erkrankungsstadium, unterschiedliche Zielwerte gelten. In der Therapie werden bevorzugt Statine eingesetzt und ein gesunder Lebensstil empfohlen. In besonders schweren Fällen kommt eine Lipoprotein-Apherese zum Einsatz. Auch die neu verfügbaren PCSK9-Inhibitoren sind eine weitere Behandlungsoption für FH-Patienten. Detaillierte Informationen zur Therapie finden Sie in der Leitline der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V.

 

 
 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie gerne:

Uta Küsters, Labor Ingelheim
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Diplom-Biologin
Tel.: 06132-781-0
uta.kuesters@bioscientia.de