Terminservice-Versorgungsgesetz (TSVG) – Chancen zur extrabudgetären Vergütung

Mit dem TSVG sollen Patient*innen schneller einen benötigten Arzttermin bekommen. Im Gesetz wurde auch festgelegt, dass der Mehraufwand für die Praxen zusätzlich vergütet wird. Dies erfolgt über Zuschläge, neue EBM-Ziffern und dadurch, dass die gesamte Behandlung dieser Patienten extrabudgetär ist.

Extrabudgetär vergütet werden diese sogenannten TSVG-Konstellationen

  • Terminvermittlung durch Terminservicestellen (TSS):
    • TSS-Terminfall
    • TSS-Akutfall
  • Terminvermittlung durch den Hausarzt beim Facharzt
  • Offene Sprechstunde
  • Neuer Patient

Bei den über die Terminservicestellen (TSS) vermittelten Patienten erhalten die Praxen einen extrabudgetären Zuschlag auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale. Abhängig davon wie schnell der Patient einen Termin bekommt beträgt der Zuschlag 50%, 30% oder 20%. Neben dem TSS-Terminfall gibt es als Sonderfall noch den TSS-Akutfall.

TSS abrechnen

Damit der TSS-Fall extrabudgetär vergütet wird, kennzeichnet die Praxis in ihrer Abrechnung den Schein unter „Vermittlungsart“ als „TSS-Terminfall“ bzw. „TSS-Akutfall“.

Für den Zuschlag hat jede Arztgruppe eine entsprechende Ziffer, für Hausärzte ist das z. B. die EBM-Ziffer 03010. Die Praxen kennzeichnen die EBM-Ziffern mit dem sogenannten Suffix B, C oder D um zu dokumentieren, wie schnell der Patient den Termin in der Praxis bekommen hat. Dabei zählt der Tag, an dem der Patient in der TSS angerufen hat als Tag 1

  • 50 Prozent: Termin innerhalb von acht Tagen – kennzeichnen mit B
  • 30 Prozent: Termin innerhalb von neun bis 14 Tagen – kennzeichnen mit C
  • 20 Prozent: Termin innerhalb von 15 bis 35 Tage – kennzeichnen mit D

Die TSS informiert die Praxis darüber, wann der Patient Kontakt mit ihr aufgenommen hat.

Patient (45 Jahre, Typ 2 Diabetes) ruft am 02.09. bei der TSS an, diese vermittelt den Kontakt zur Hausarztpraxis, Patient  bekommt einen Termin am 14.09.

  • Kennzeichnen des Abrechnungsscheins „TSS-Terminfall“
  • EBM- Ziffern: 03000, 03220, 03010C für den TSS-Terminfall, Termin zwischen dem 9. und 14. Tag nach Kontaktaufnahme mit der TSS, C = 30% Zuschlag auf 03000
  • 03020, 03040 und 03222 werden automatisch von der KV ergänzt.

Der TSS-Akutfall ist der Fall, bei dem der Patient mit akuten Beschwerden die 116117 anruft. Dort wird anhand einer klinischen Entscheidungsmatrix bewertet, ob es sich um einen Notfall handelt, ein kurzfristiger Arztbesuch notwendig ist – der TSS-Akutfall oder der Patient während der normalen Sprechstunde versorgt werden kann.   

Wird entschieden, dass ein kurzfristiger Arzttermin notwendig ist und die Praxis versorgt den Patient innerhalb von 24h, bekommt der Arzt alle Leistungen des Arztgruppenfalls extrabudgetär vergütet und einen Zuschlag von 50%. Dafür gibt die Praxis in ihrer Abrechnung „TSS-Akutfall“ an und kennzeichnet die EBM- „Zuschlagsziffer“ mit „A“, eine Hausarztpraxis rechnet dann z. B. die Ziffer 03010 A ab.

Haus- und Kinderärzte erhalten 10 Euro extrabudgetär für die erfolgreiche Vermittlung eines dringenden Facharzttermins (Hausarztvermittlungsfall).

  • dringend ist ein Termin innerhalb von 4 Tagen
  • Tag 1 ist der Tag nachdem festgestellt wurde, dass der Patient dringend einen Termin beim Facharzt benötigt
  • erfolgreich ist ein vereinbarter Termin
  • Die Ziffer kann auch abgerechnet werden, wenn der Patient den Termin nicht wahrnimmt. Sie kann auch mehrfach im Quartal abgerechnet werden, wenn Vermittlung zu unterschiedlichen Fachärzten erfolgt.
  • Sie kann nicht abgerechnet werden, wenn der Patient den Facharzt in dem Quartal schon einmal aufgesucht hat.

Die Hausarztpraxis rechnet die Ziffer 03008 ab (Kinderarzt 04008) und gibt die BSNR des Facharztes an. Der Patient benötigt eine Überweisung.

Für den Facharzt ist der Fall extrabudgetär. Dafür gibt der Facharzt in seiner Abrechnung „HA-Vermittlungsfall“ an. Die Überweisung muss der Facharzt bei der Abrechnung nicht einreichen.

  • Augenärzte, Chirurgen, Gynäkologen, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Nervenärzte, Neurologen, Orthopäden, Psychiater und Urologen müssen mindestens 5 Stunden pro Woche eine freie Sprechstunde anbieten.
  • Die Leistungen dieser Sprechstunden werden im Arztgruppenfall extrabudgetär vergütet. Dafür kennzeichnet die Praxis diesen Fall in ihrer Abrechnung als „Offene Sprechstunde“.
  • Obergrenze dafür sind 17,5 % der Arztgruppenfälle der Arztpraxis
  • Die offenen Sprechstunden müssen bekannt gegeben werden z. B. Aushang in der Praxis, Anrufbeantworter und Mitteilung an die zuständige KV zur Veröffentlichung

Der Arzt kann für Patienten, die erstmals oder erstmals nach 2 Jahren die Praxis aufsuchen, alle Leistungen im Arztgruppenfall extrabudgetär abrechnen.

  • 2 Jahre bedeutet das aktuelle Quartal plus die 8 vorangegangenen Quartale. Kommt der Patient z. B. im 3. Quartal 2022 in die Praxis ist er ein "neuer Patient", wenn er nach dem 2. Quartal 2019 nicht mehr in der Praxis war.
  • den Fall „Neuer Patient“ können 2 Arztgruppen pro Praxis abrechnen.
  • In ihrer Abrechnung gibt die Praxis für diesen Patienten „Neupatient“ an. Nur dann wird der Fall extrabudgetär vergütet.

Die abrechenbare Leistung bezieht bei den TSVG-Konstellationen nicht auf den Behandlungs- Arzt- oder Krankheitsfall, sondern auf den Arztgruppenfall. Dieser wurde im Zuge des TSVG neu definiert. Hier finden Sie weitere Informationen.

Weitere Details dazu finden Sie auf der KBV-Homepage.