Kurz gesagt:

  • Ist eine Laktoseintoleranz bekannt, können die Beschwerden gezielt verhindert werden, indem der Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln reduziert wird.

  • Etwa 15% der Bevölkerung sind laktoseintolerant. Die primäre Laktoseintoleranz macht nach Schätzungen 80-90% der Fälle aus. Sie hat eine genetische Ursache. Der Nachweis der entsprechenden Laktase-Genvariante beweist die Laktoseintoleranz.

  • Zwischen den beiden Formen der Laktoseinteroleranz zu unterscheiden, kann wertvolle Hinweise für Betroffene liefern: Die sekundäre Form, als Folge einer Darmerkrankung oder -schädigung, kann vorübergehend sein. Wird die ursprüngliche Erkrankung erfolgreich therapiert, kann sich auch die Laktoseverwertung wieder verbessern.

Laktoseintoleranz feststellen

Bauchschmerzen nach einem Latte Macchiato? Wer kurz nach dem Genuss von Milch und milchzuckerhaltigen Produkten mit Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall reagiert, könnte laktoseintolerant sein. Mit der richtige Diagnose ist es möglich, unbeschwerter zu leben.

Was ist Laktose?

Laktose, manchmal auch Lactose geschrieben, ist Milchzucker, der in Milch und Milchprodukten, wie zum Beispiel Joghurt, Quark, Buttermilch, Sahne, Milcheis und einigen Käsesorten vorkommt.

Wie hoch oder niedrig der Laktosegehalt ist, hängt vom Verarbeitungsgrad der Milch ab. Mit 7g/100ml ist Muttermilch besonders laktosehaltig. Trinkmilch hat einen Laktosegehalt von circa 4,8 - 5g/100 ml, unabhängig von welcher Tierart die Milch stammt. 

Während Buttermilch, Kefir, Sahne und Joghurt, aber auch Schokopudding, Vollmilchschokolade und Latte Macchiato relativ viel Milchzucker enthalten, liegen Hart-, Schnitt- und Weichkäse sowie Butter bei weniger als 3g/100g.

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Bei der Laktoseintoleranz bildet der Organismus keine oder nur noch sehr wenig Laktase. Dieses Enzym verdaut im Dünndarm die in der Nahrung enthaltene Laktose – den Milchzucker. Durch den Laktasemangel gelangt ein Teil des Milchzuckers in den Dickdarm, wo ihn Bakterien fermentieren. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte und Gase, die für die Beschwerden wie Blähungen, Krämpfe und Durchfall verantwortlich sind.

Ist eine Laktoseintoleranz bekannt, können die Beschwerden gezielt verhindert werden, indem der Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln reduziert wird. Wie weit, ist individuell sehr unterschiedlich. Denn anders als zum Beispiel bei einer Milcheiweßallergie, vertragen laktoseintolerante Menschen eine gewisse Laktosemenge. Außerdem steht das die Laktose verdauende Enzym, die Laktase, in Form von Tabletten oder Pulvern zur Verfügung. Diese ermöglichen Menschen mit ausgeprägter Laktoseintoleranz den Genuss von Milchprodukten.

Laktoseintoleranz ist weltweit der "Normalzustand"

Im Säuglingsalter ist Milch unsere Hauptnahrungsquelle. In diesem Alter bis zur beginnenden Pubertät bildet der Körper genügend Laktase, um den Milchzucker zu verdauen. Spätestens mit Abschluss der Pubertät ist bei der überwiegenden Mehrheit der Weltbevölkerung (75%) die Laktaseproduktion eingestellt, d.h. diese Individuen sind „laktoseintolerant“. Lediglich bei Mittel- und Nordeuropäern bleibt die Laktaseproduktion im Erwachsenenalter aufrechterhalten. Dies ist wahrscheinlich eine nahrungsbedingte Adaption an die Milchviehhaltung. Daher sind nur etwa 15% der Bevölkerung lactoseintolerant. Es gibt zwei Formen der Laktoseintoleranz:

Primäre Laktoseintoleranz

Die primäre Laktoseintoleranz macht nach Schätzungen 80-90% der Fälle aus. Sie hat eine genetische Ursache. Die Betroffenen tragen eine Laktase-Genvariante, durch die lediglich Spuren von Laktase gebildet werden.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Die sekundäre Form ist die erworbene Laktoseintoleranz: Sie entsteht am ehesten als Folge anderer Erkrankungen wie Zöliakie, M. Whipple, M. Crohn, große Magen- oder Dünndarmoperationen und Infektionen des Magen-Darmtraktes. Hier ist das Laktase-Gen nicht betroffen, sondern die Dünndarmschleimhaut stark beeinträchtigt, sodass sie nicht mehr ausreichend Laktase bilden kann. Sekundäre Intoleranzen wie zum Beispiel durch Magen-Darm-Infektionen können in einigen Fällen vorberübergehend sein und nach Abklingen der Infektion wieder verschwinden.

Welche Symptome treten bei Laktoseintoleranz auf?

Die Beschwerden bei Laktoseintoleranz sind vielfältig und individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Häufig führt der Genuss von Milchprodukten bei laktoseintoleranten Menschen zu:

  • Blähungen
  • Bauchkrämpfen
  • Durchfall
  • Blähbauch
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • seltener Erbrechen

Die Symptome treten in der Regel kurz nach dem Verzehr von Milchprodukten auf, innerhalb von 15 bis 30 Minuten.

Wie kann man eine Laktoseintoleranz feststellen?

Bei entsprechenden Symptomen kann die Verdachtsdiagnose durch eine gezielte Befragung des Patienten gestellt werden. Einen ersten Hinweis gibt häufig der Patient selber. Aussagen wie „Immer wenn ich einen Latte Macchiato trinke, bekomme ich in letzter Zeit Magenkrämpfe“ sind typisch. Auch unklare Rückenschmerzen nach dem Genuss von laktosehaltigen Lebensmitteln gehören nicht selten zur Laktoseintoleranz. 

Laktose-Toleranz-Test

Der Laktose-Toleranz-Test (Blutzuckertest) gilt als störungsanfällig und wird daher in aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften nicht mehr empfohlen. Bei diesem Verfahren wird der Blutzuckerspiegel vor und nach der Gabe einer Laktoselösung gemessen. Eine Laktoseintoleranz gilt als wahrscheinlich, wenn

  • der Anstieg der Blutzuckerkonzentration ausbleibt
  • entsprechende Symptome, wie Durchfall oder Blähungen im Verlauf von 8 Stunden nach Testbeginn auftreten

H2-Atemtest

Kann Laktose nicht verwertet werden, entsteht durch die Bakterien im Darm vermehrt Wasserstoff. Vor dem Test trinkt der Patient oder die Patientin eine Milchzuckerlösung. Anschließend wird in bestimmten Abständen in ein Röhrchen gepustet, das den Wasserstoffgehalt im Atem auffängt. Die aufgefangene Atemluft wird später im Labor analysiert. Ein hoher Wert in Kombination mit Magen-Darm-Beschwerden spricht für eine Laktoseintoleranz. 

Grenzen der Belastungstest:

Wie der Blutzuckertest, ist auch der Atemtest störanfällig: Rauchen oder Kaugummikauen vor dem H2-Atemtest können das Ergebnis verfälschen. Eine entsprechende Vorbereitung ist daher entscheidend. Ausreichend lange vor dem Test sollte unter anderem keine Darmspiegelung stattfinden und bestimte Medikamente wie H2-Blocker, Protonenpumpenhemmer und Antibiotika vermieden werden. Vollständige Informationen zur Testvorbereitung erhält der Patient vom behandelnden Arzt. 

Für Menschen mit diabetischer Stoffwechsellage sind beide Belastungstests nicht empfehlenswert.

Gentest

Ist der Laktasemangel genetisch bedingt, finden wir das durch eine genetische Analyse des Patientenbluts heraus. Eine einfache Blutprobe reicht dafür aus. Vor der Blutentnahme ist keine Vorbereitung des Patienten notwendig.

Darmbiopsie

Bei einer Darmspiegelung wird etwas Gewebe aus der Dünndarmschleimhaut entnommen und im Anschluss auf Laktase untersucht. Auch bei dieser Untersuchung gilt der Laktasemangel als beweisend für eine Laktoseintoleranz.

Auch wenn diese Untersuchung eine sichere Diagnose erlabut, wird sie selten bei Verdacht auf Laktoseintoleranz durchgeführt, da sie für viele Betroffenen aufwendig und unangenehm ist.

Abklärung der Verdachtsdiagnose: Welche Untersuchung, wann?

Besteht aufgrund der Anamnese der Verdacht auf die primäre Form, den genetisch bedingten Laktasemangel, empfehlen wir als ersten Schritt die für den Patienten nicht belastende genetische Untersuchung. Der Nachweis der entsprechenden Laktase-Genvariante beweist die Laktoseintoleranz.

Bei Verdacht auf die sekundäre Form stehen funktionelle Untersuchungen für eine weitere Abklärung zur Verfügung: H2-Atemtest und schließlich die Darmbiopsie. Auch wenn die genetische Diagnostik unauffällig war, aber weiterhin der Verdacht Laktoseintoleranz besteht, sollte eine funktionelle Untersuchung in Betracht gezogen werden.

Für die Praxis

Richtig anfordern:

Nach dem Gendiagnostik-Gesetz erfordert diese Untersuchung
eine Einverständniserklärung des Patienten oder gesetzlichen Vertreters.

Einverständniserklärung herunterladen

Einfache Präanalytik:

  • Für die genetische Untersuchung benötigen wir lediglich EDTA-Blut.
  • Eine spezielle Patientenvorbereitung ist nicht notwendig.
  • Diese humangenetische Untersuchung erhöht nicht Ihren arztspezifischen Fallwert.
Test im Analysenverzeichnis öffnen

Fragen und Antworten

Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt oder ein Gastroenterologe. Hält der behandelnde Arzt eine genetische Untersuchung für wegweisend, kann er eine genetische Diagnostik veranlassen. Als deutschlandweit tätiges Labor mit umfangreicher genetischer Diagnostik stehen wir für alle Fragen rund um eine genetische Analyse oder Beratung zur Verfügung. Eine Blutabnahme reicht aus, um herauszufinden, ob die entsprechende Laktase-Genvariante vorliegt.

Laktoseintolerante Menschen sollten Milchprodukte meiden, um Beschwerden zu verhindern. Wie streng die Laktose-Diät sein muss, ist ganz individuell. Der behandelnde Arzt wird nach einer gesicherten Diagnose zum Verzehr von Milchprodukten beraten.

Ist eine Laktoseintoleranz bekannt, können die Beschwerden gezielt verhindert werden, indem der Genuss von milchzuckerhaltigen Nahrungsmitteln reduziert wird. Wie weit, ist individuell sehr unterschiedlich. Außerdem steht das die Lactose verdauende Enzym, die Laktase, in Form von Tabletten oder Pulvern zur Verfügung. Diese ermöglichen Menschen mit ausgeprägter Laktoseintoleranz den Verzehr von Milchprodukten.

Vor allem die primäre Form der Laktoseintoleranz, Zöliakie, Fructose- und Histamin-Intoleranz.

Eine Laktoseintoleranz bei Kindern ist sehr selten, sie kann sich erst ab einem Alter von ca. 5 Jahren entwickeln. In Europa fehlt das Enzym Laktase, das den Milchzucker spalten kann, ca. 5-15% der Erwachsenen, in Asien sind 90% betroffen.

Nein, als Allergien werden überschießende Reaktionen des Immunsystems bezeichnet, die sich zum Beispiel in der Produktion von speziellen Antikörpern äußern (Immunglobulin E). Das ist bei der Laktoseintoleranz nicht der Fall.

 

Autor Thmb Lauraranzenberger

Laura Ranzenberger | Dieser Beitrag ist fachärztlich geprüft

Updated Donnerstag, 15 September 2022