Nachweis von Affenpocken noch kein Fall für Routinelabore

Montag, 30 Mai 2022 | Uta Küsters

Seit Mai 2022 sind in Deutschland vereinzelt Fälle von Affenpocken nachgewiesen worden.

Ungewöhnlich ist, dass bei dem Auftreten keine entsprechende Reiseanamnese vorliegt (West- und Zentralafrika), sondern die Fälle im Zusammenhang mit sexuellen Kontakten stehen.

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen, wie Fieber-, Kopf- und Gliederschmerzen. Lymphknotenschwellungen sind beschrieben. Einige Tage später erscheinen Hauteffloreszenzen, simultan vom einfachen Fleck bis zur flüssigkeitsgefüllten Pustel, die dann schließlich verkrusten und abfallen. Diese Veränderungen treten im Gesicht, an den Handflächen und Fußsohlen auf, aber auch beginnend im Urogenital- und Anal-Bereich, wie die aktuellen Fälle zeigen.

Wichtige differentialdiagnostische Erkrankungen sind andere bläschenbildende Infektionen (Varizella-Zoster-Virus, Herpes-Simplex-Virus) oder Infektionen mit Effloreszenzen (Syphilis)

Die Erkrankung heilt in der Regel nach 2-4 Wochen folgenlos aus.

Komplikationen sind Hirnhautentzündungen, Bindehaut- und Lungeninfektionen, z.T. mit narbiger Abheilung.

Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist auch schon vor Symptombeginn durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich. Dazu ist allerdings enger Kontakt eine Voraussetzung. Das Virus ist in höchster Konzentration in den Hauteffloreszenzen nachweisbar; deshalb ist eine Infektion über kontaminierte Gegenstände, wie zum Beispiel Bettwäsche oder Kleidung, ebenfalls möglich.

Als Eintrittspforte gelten kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen.

Insbesondere Kinder und Neugeborene, alte Menschen, Schwangere und immunsupprimierte Patienten sind gefährdet, schwerer an Affenpocken zu erkranken.

Die ECDC schätzt das Risiko für die breite Bevölkerung als gering ein, für Personen mit mehreren Sexualpartnern (einschließlich MSM - Männer, die Sex mit Männern haben) als moderat.

Eine umfassende Virusdiagnostik (Virusanzucht und molekularer Nachweis aus den Hautveränderungen) wird derzeit vom Konsiliarlabor für Pocken am RKI durchgeführt. Vor der Probeneinsendung ist eine telefonische Absprache mit dem Labor erwünscht.