Antikörper steigen nach Corona-Impfung - und fallen wieder

Montag, 15 November 2021 | Dr. Hendrik Borucki

Die vergangenen Monate zeigen bei der Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 deutlich, dass Impfungen in der Regel zuverlässig eine Immunantwort hervorrufen. Durch Abgleich der Messergebnisse mit dem WHO-Standardserum und Umrechnung in BAU ("bindung antibody units") lässt sich zudem das Maß an neutralisierenden Antikörpern darstellen. Die Antikörperspiegel sinken allerdings in den Monaten nach vollständiger Impfung ebenso regelmäßig wieder ab, wie sie zuvor gebildet wurden. 

Es ist davon auszugehen, dass hohe Antikörperspiegel auch einen ausreichenden Schutz vor schweren Verläufen bieten. Nach wie vor liegen allerdings keine Belege für einen Schwellenwert der Immunität vor. Es lässt sich also derzeit keine BAU-Untergrenze definieren, unterhalb derer kein Immunschutz mehr bestünde; vgl. auch die FAQs unten.

Die Frage, ob eine Auffrisch-Impfung erfolgen sollte, muss bis auf Weiteres anhand der individuellen Voraussetzungen sowie der aktuellen Empfehlungen beantwortet werden, zum Beispiel, ob der Impfling einer vulnerablen Personengruppe angehört und eventuell immungeschwächt ist.

Interessierte können ihren Antikörpertiter in unseren Direktlaboren bestimmen lassen.

FAQs zum Corona-Antikörper-Befund

"BAU" steht für "Binding Antibody Units"; der Wert gibt an, wie viele neutralisierende Antikörper gebildet wurden, also Antikörper, die das Virus effektiv angreifen können. Man erhält den BAU-Wert, indem das Messergebnis des Antikörpertests mit einem Faktor multipliziert wird. Die medizinischen Labore verwenden unterschiedliche Testsysteme, sodass die Resultate nicht direkt vergleichbar sind. Sinn der BAU-Darstellung ist es, zum einen den Anteil an neutralisierenden Antikörpern zu verdeutlichen, und zum anderen die Ergebnisse aus verschiedenen Antikörpertests ungefähr vergleichbar zu machen.

Das lässt sich derzeit nicht zuverlässig sagen, weil es noch keinen allgemein akzeptierten Schwellenwert für Immunität gibt, der sich in Studien bewährt hätte.

Solange es noch keinen akzeptierten Schwellenwert für Immunität gibt, sollte die Entscheidung für eine Booster-Impfung nicht vom Antikörperspiegel abhängig gemacht werden. Die derzeitige Empfehlung zur Booster-Impfung berücksichtigt daher auch nicht den Antikörpertiter, sondern das individuelle Gesundheitsrisiko des Geimpften und den zeitlichen Abstand zur letzten Corona-Impfung.

Die erfolgreiche Impfung mit einem der bislang zugelassenen Impfstoffe führt zur Bildung von Antikörpern lediglich gegen das Spike-Protein. Eine natürliche SARS-CoV-2-Infektion dagegen führt beim gesunden Menschen zur Bildung von Antikörpern, die gegen verschiedene Virusbestandteile gerichtet sind, vor allem gegen das Nukleokapsid und das darauf sitzende Spike-Protein. 
Ein negativer Antikörpernachweis kann im Wesentlichen zwei Ursachen haben: Entweder ist das Immunsystem des Geimpften geschwächt, z.B. durch bestimmte Krankheiten oder Medikamente, sodass keine Antikörper gebildet werden können. Oder es wurde der falsche Test angefordert: Wenn ich gezielt nur die Nukleokapsid-Antikörper bestimmen lasse, erfahre ich nichts über die Antikörper gegen das Spike-Protein, also nichts über evtl. gebildete Impfantikörper.