Fragen und Antworten zu SARS-CoV-2-Antigentests

Montag 14 September 2020, 8:04

Die ersten Tests zum Nachweis von SARS-CoV-2 Antigenen sind in mehreren Ländern zugelassen und werden eingesetzt. Welchen Nutzen haben sie beim Management der Pandemie? Fragen und Antworten.

Was weisen Antigentests nach und wie unterscheidet sich das von der PCR?

Die PCR sucht in einer Probe nach dem Erbgut von Erregern, während Antigentests Oberflächenstrukturen nachweisen, z.B. Eiweißmoleküle auf der Virushülle. Beide Verfahren fahnden also nach Virusbestandteilen, während Antikörperteste die Immunantwort des Infizierten untersuchen.

Wie funktionieren Antigentests?

In der Regel sind im Testsystem spezifische Antikörper gebunden, die in der Probenflüssigkeit "ihr" Antigen finden. Die so entstandene Verbindung von Antikörper und Antigen - der Immunkomplex - wird in weiteren Test-Schritten markiert und nachgewiesen. 

Wie ist die Testaussage im Vergleich von Antigentests und PCR zu beurteilen?

Die WHO hält den Einsatz von Antigenschnelltesten als zweitbeste Lösung dann für möglich, wenn die PCR entweder nicht verfügbar ist oder zu lange Befundlaufzeiten einen klinischen Einsatz der PCR ausschließen. Der WHO-Leitfaden rät sogar davon ab, Antigenschnellteste in Regionen mit geringer Prävalenz  einzusetzen, sie an Ländergrenzen bei Einreisenden zu verwenden oder zum Testen von Personen ohne Symptome und Kontakt zu Infizierten.

Grundsätzlich sind sowohl Sensitivität als auch Spezifität der Antigenteste geringer als bei der PCR. Dies sind die wesentlichen Gründe:

  • Während des PCR-Prozesses wird die gesuchte Nukleinsäure vielfach vermehrt, sodass auch niedrige Ausgangsmengen am Ende zu einem korrekten Nachweis führen. Hierzu genügen nur wenige Viruskopien. Beim Antigentest findet keine Vervielfältigung statt; die Menge an Virusmaterial im Ausgangsmaterial muss über einer bestimmten Schwelle liegen, damit der Test positiv ausfällt.
  • Aus diesem Grund wirken sich auch mögliche Schwächen der Probennahme (Abstrichtiefe, Abstrichzeitpunkt) beim Antigentest stärker aus als bei der PCR.
  • Die Bindung zwischen Antikörper und Antigen im Testsystem ist grundsätzlich auch anfällig für Kreuzreaktionen: Die im Test präparierten Antikörper binden manchmal unspezifisch an ähnliche Antigene, die nicht spezifisch sind für SARS-CoV-2. Dadurch wird die Rate an falsch Positiven höher als bei der PCR.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Antigentesten und Antigen-Schnelltesten?

Antigenteste für das Fachlabor sind derzeit noch nicht marktreif validiert. Sie werden auf großen Geräten laufen und mit professionell gewonnenem Probenmaterial standardisierte Ergebnisse in hoher Zahl liefern können. Allerdings mit den zuvor genannten Einschränkungen der Aussagekraft.

Antigen-Schnellteste sind teils für den ausschließlichen Einsatz bei symptomatischen Personen gedacht, teils zum Screening auch von asymptomatischen. Sie laufen immer als Einzelbestimmung und liefern Ja/Nein-Ergebnisse in 15 - 20 Minuten. Die grundsätzlichen Einschränkungen der Testaussage sind oben bereits beschrieben. Hinzu kommen bei Anwendung durch medizinische Laien noch die Unwägbarkeiten bei der Probennahme und der korrekten Auswertung, z.B. Ablesung innerhalb eines eng begrenzten Zeitraumes.

Können Antigenteste auf Grund der verminderten Sensitivität die infektiösen Personen deutlicher identifizieren?

Dahinter steht die Vermutung, dass weniger empfindliche Tests vor allem die Infizierten finden, die eine hohe Viruslast tragen und SARS-CoV-2 stärker  weitergeben. Das ist momentan allerdings reine Spekulation: Es liegen bislang keine Daten vor, die einen Zusammenhang zwischen Viruslast und Infektiosität belegen. Und dagegen ist das Risiko abzuwägen, dass durch die geringere Sensitivität mögliche Überträger übersehen werden.

Wo und wie lassen SARS-CoV-2-Antigenteste am besten einsetzen?

Immer dort, wo es um eine rasche Differenzialdiagnostik bei vorhandener Covid-19-Symptomatik geht, vor allem in Kliniken und spezialisierten Arztpraxen. Die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes und Arbeitsschutzmaßnahmen müssen auch bei der patientennahen "Point of Care"-Diagnostik eingehalten werden. Positive Ergebnisse lassen sich mit der PCR bestätigen, um die Falsch-Positiv-Rate zu senken.

Von einem Einsatz zuhause mit selbst entnommenem Abstrich wird in einer aktuellen Untersuchung abgeraten:

  • Weil wegen der mangelnden Sensitivität eine häufig falsche Sicherheit bei den Selbst-Testern erzeugt wird.
  • Weil die mangelnde Spezifität die Zahl der falsch Positiven im Land steigen lässt. Doch schon in der gegenwärtigen Testlandschaft fällt es vielen Menschen schwer, hygienische Maßnahmen bis hin zur Quarantäne zu akzeptieren.
  • Weil unklar ist, ob und wie positive Resultate an Ärzte und Gesundheitsbehörden gemeldet werden.
  • Weil die fachgerechte Probennahme eine extrem bedeutsame Fehlerquelle bei allen Erregernachweisen ist. 

Fazit:

Der Nutzen von Antigen-Schnelltesten für die Bewältigung der Pandemie, insbesondere beim frühen Erkennen und Unterbrechen von Infektketten, bleibt bislang unklar.