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Clonidin-Suppressionstest (EDTA-Plasma gefroren (EP))

Untersuchungsmaterial: EDTA-Plasma gefroren (EP)
Info:

Clonidin hemmt über eine zentralnervöse Stimulation präsynaptischer alpha-2-Rezeptoren die neuronale und adrenale Noradrenalin-, weniger auch die Adrenalinsekretion.

Die Katecholaminfreisetzung aus einem Phäochromozytom wird nicht gehemmt, das Absinken der Katecholaminspiegel bleibt aus.

Besonderheiten im Kindesalter
Bei Kindern ist dieser Test wenig gebräuchlich.

Beinhaltet folgende Untersuchungen: Noradrenalin (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Adrenalin (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Dopamin (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Normetanephrin (LC-MS/MS) (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Metanephrin (LC-MS/MS) (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Ansatztage: bei Bedarf
Indikation/Bedeutung:

Bestätigungstest zum Nachweis eines Phäochromozytoms. Dieser Test differenziert zwischen einem Phäochromozytom und falsch positiv erhöhten Katecholamin- und Metanephrinwerten im Screeningverfahren (Bestimmung der Katecholamine im 24-Stunden-Sammelurin, Bestimmung von Normetanephrin und Metanephrin im Plasma).
Zur Indikationsstellung für einen Clonidin-Test müssen diese Parameter im Screening also bereits erhöht gewesen sein.

Kontraindikation

  • Hypotension
  • Hypovolämie
  • Bradykardie
  • aktuelle Betablockertherapie
Nebenwirkungen:
  • Hypotension, besonders bei mit Clonidin vorbehandelten Patienten oder solchen mit Betarezeptordysfunktion
  • sedierende Eigenschaften
  • Mundtrockenheit
  • Clonidin hat eine lange Halbwertszeit, die Fahrtüchtigkeit ist herabgesetzt
Durchführung:

Wegen möglichen schweren Nebenwirkungen im Sinne von erheblichen Blutdruckabfällen bei Gesunden und hypertonen Krisen bei Patienten mit Phäochromozytom, müssen vor und nach der Clonidingabe regelmäßige Blutdruck- und Pulsmessungen (alle 30 Minuten) erfolgen. Der Patient liegt während des gesamten Tests. Nach dem Test kann Fahruntüchtigkeit bestehen.

Vorbereitung des Patienten

  • Mindestens 24 Stunden vor Testbeginn antihypertensive Therapie unterbrechen, ausgenommen sind Calciumantagonisten bei intolerablem Blutdruck
  • Unbedingt Stress vermeiden; 1- bis 2-stündige Bettruhe und Nahrungskarenz vor Testbeginn
  • 30 Minuten vor Testbeginn Verweilkanüle anlegen, Kanüle mit 30 ml steriler physiologischer Kochsalzlösung offen halten (Tropfinfusion)
  • Erste Blutentnahme morgens am liegenden, nüchternen Patienten für Basalwerte (= Probe 0)
  • Verabreichung von 300 µg Clonidin (Catapressan®) in 250 ml Wasser oral, bei Kindern die Dosis entsprechend anpassen
  • Weitere Blutentnahme 180 Minuten nach Clonidin-Einnahme (= Probe 1)
  • Jeweils 4 ml EDTA-Plasma von jeder Probe gefroren einsenden
Interpretation:
Klinische Bemerkungen:
  • Die Bestimmung der Plasmakatecholamine ist als Screeningverfahren bei der Suche nach einem Phäochromozytom (Phch) ungeeignet, da die Sekretion oft intermittierend ist. Als Goldstandard werden zum Screening mittlerweile das Metanephrin und das Normetanephrin im Plasma eingesetzt.
  • Bei jedem Nachweis eines Phch muss an eine Multiple endokrine Neoplasie Typ 2A oder 2B sowie an eine Phakomatose (Neurofibromatose, von Hippel-Lindau-Syndrom, tuberöse Sklerose, Sturge-Weber-Krabbe-Syndrom) gedacht werden.
  • Zahlreiche Medikamente können zu falsch hohen Katecholaminkonzentrationen führen (v. a. trizyklische Antidepressiva, Phenoxybenzamin, Doxazosin oder MAO-Hemmer; weniger Betarezeptorenblocker, Clonidinentzug, Koffein und Nikotin. Paracetamol und Levodopa können mit der Analytik interferieren). Wenn möglich, sollten diese Medikamente 7 Tage vor dem Test abgesetzt werden.

Differenzialdiagnose familiärer Phäochromozytome
Der Anteil der familiaer auftretenden Tumoren wird auf 5 - 25% geschaetzt (Multiple endokrine Neoplasie Typ 2, Von-Hippel-Lindau-Syndrom, Neurofibromatose Typ 1 u. a.). Die molekulargenetische Diagnostik ist entscheidend für die zeitgerechte Identifizierung von Genträgern bei familiärem Phch und stellt die Grundlage für eine frühzeitige Therapie eines Phch und/oder einer assoziierten Tumorerkrankung dar. Da familiaere Phch sowohl syndromal als auch nicht-syndromal auftreten können, empfiehlt sich zur Indikationsstellung und zur Aufklaerung des Patienten vor dem Test eine genetische Beratung.

Häufige Fehler:
  • Bildgebende Diagnostik vor biochemischem Nachweis der pathologischen Katecholaminproduktion
  • Punktion eines Nebennierentumors vor Ausschluss eines Phäochromozytoms
Labor: Ingelheim

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