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NaCl-Infusionstest (o.Kochsalzbel.test)

Info:

Entgegen der gängigen Bezeichnung des Tests als „Kochsalzinfusionstest“ steht als Stimulus nicht das zugeführte Natriumchlorid, sondern die kurzfristige intravaskuläre Volumenbelastung durch die Gabe von 2 l isotoner Kochsalzlösung über 4 Stunden im Vordergrund. Physiologischerweise führt der damit einhergehende erhöhte Perfusionsdruck in den zuführenden Arteriolen der Nieren zu einer Hemmung der Reninausschüttung an den Arteriolen zugehörigen juxtaglomerulären Zellen und damit mittelbar zu einer Suppression von Aldosteron. Eine erhöhte Natriumchloridkonzentration im Tubulussystem (Macula densa) führt ebenfalls zu einer Verringerung der Reninausschüttung. Durch eine Infusion von 2 l isotonischer Kochsalzlösung über einen Zeitraum von 4 Stunden kommt es zur Suppression des Plasma-Renin-Angiotensin-Systems und damit zur Suppression der Aldosteronsekretion. Der Kochsalz-Infusionstest gilt mit hoher Sensitivität und Spezifität als Bestätigungstest bei einem (auch normokaliämischen) primären Hyperaldosteronismus.

Bei Vorliegen eines primären Hyperaldosteronismus ist dieser Regelkreis gestört, Aldosteron wird unabhängig von Renin- und Natriumkonzentration sezerniert.

Beinhaltet folgende Untersuchungen: Natrium (ISE) (Serum (S))
Kalium (ISE) (Serum (S))
Aldosteron (EDTA-Blut (EB))
Renin (EDTA-Plasma gefroren (EP))
Präanalytik/Hinweise:

Abbruchkriterien während der Durchführung:

  • Unter der Infusion auftretende Zeichen der Herzinsuffizienz
  • Oder einer anderen Organinsuffizienz
  • Entgleister arterieller Hypertonus
Indikation/Bedeutung:

Bestätigungstest bei Verdacht auf primären Hyperaldosteronismus

Kontraindikation

  • Bekannte Herzinsuffizienz
  • Schwerer arterieller Hypertonus
  • Zustand nach Myocardinfarkt
  • Zustand nach Apoplex
  • Hypervolämie
Nebenwirkungen:
  • Hypervolämie
  • Arterieller Hypertonus
  • Dekompensation einer Herzinsuffizienz
Vorbereitung:

Vor dem Test ist eine möglicherweise bestehende Hypokaliämie mindestens 1 Woche vorher z. B. durch Substitution auszugleichen (deshalb Messung des Kaliums simultan zur ARQ-Bestimmung zwecks Plausibilität empfohlen). Eine kochsalzarme Diät (da hierunter Reninstimulation größer als Aldosteronstimulation) sollte mindestens 1 Woche vor der ARQ-Bestimmung unterbrochen werden und die Natriumchloridzufuhr auf täglich mindestens 9 g (der durchschnittliche Bundesbürger nimmt ohnehin täglich 12 - 15 g Natriumchlorid zu sich!) festgelegt werden. Aldosteronrezeptorantagonisten (Spironolacton, Eplerenon und Amilorid) sollten mindestens 4 Wochen vor dem Test abgesetzt werden, ACE-Hemmer, Betablocker und Thiazid- sowie Schleifendiuretika sollten nach Möglichkeit mindestens 2 Wochen vor dem Test abgesetzt werden, auch auf Lakritz sollten die Personen in diesem Zeitraum verzichten. Alpha-Blocker, Kalziumkanalblocker und direkte Vasodilatatoren können zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden.

Vor dem Test sind mindestens folgende Laborparameter zu bestimmen: Natrium, Kalium, Kalzium, Kreatinin, kleines Blutbild. Vor dem Test ist nach Möglichkeit eine Echokardiographie durchzuführen, um die linksventrikuläre Funktion abschätzen zu können. Bereitstellen von Blutentnahmeröhrchen: je 2-mal Aldosteron und Renin sowie Natrium und Kalium. Ein i. v.-Zugang wird gelegt und es werden 2 l Natriumchloridlösung (0,9%) bereitgestellt.

Patient liegt über Nacht (mindestens 8 Stunden vor Testbeginn).

Durchführung:

Der Test ist bevorzugt am Vormittag zwischen 8 und 12 Uhr durchzuführen (Testbeginn zwischen 8 und 10 Uhr); der Patient sitzt während und schon 30 Minuten vor Beginn der Testdurchführung.

  • Morgens Blutentnahme für Basalwerte (= Probe 0) nach 30 minütigem Sitzen und Blutdruckmessung
  • Anschließend Infusion von 2 l steriler physiologischer Kochsalzlösung über 4 Stunden (500 ml/h)
  • Bei guter linksventrikulärer Funktion reichen stündliche Kontrollen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz, darüber hinaus bei Bedarf, bei unklarer linksventrikulärer Funktion halbstündliche Kontrollen
  • Erneute Blutentnahme nach Infusionsende (= Probe 1)
  • Jeweils 3 ml EDTA-Plasma gefroren und 2 ml Serum von jeder Probe einsenden
Interpretation:

Bei einer Reduktion der Aldosteronkonzentration auf < 5 ng/dl kann ein Conn-Syndrom (klassische Form des primären Hyperaldosteronismus) aber nicht die nicht-klassische, idiopathische Form mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Konzentrationen > 10 ng/dl nach einer anderen Quelle > 5 ng/dl nach Infusionsende sprechen für das Vorliegen eines primären Hyperaldosteronismus. Zwischen diesen Konzentrationen liegt ein ¿Graubereich¿, der einer weiteren Diagnostik bedarf. Gegebenenfalls sollte zur weiteren Abklärung die Durchführung eines Fludrocortisonsuppressionstestes erwogen werden.

Klinische Bemerkungen:

5 - 10% aller Patienten mit einem arteriellen Hypertonus leiden unter einer Aldosteron-abhängigen Form. Die häufigsten Ursachen sind aldosteronsezernierende Adenome der Nebenniere und Nebennierenrinden-Hyperplasien. Ein durch Dexamethason supprimierbarer Hyperaldosteronismus und ein Aldosteron-produzierendes Karzinom liegen hingegen nur selten vor.

Bei 30 - 50% aller Patienten mit einem pathologischen Aldosteron-Renin-Quotienten (erhöhter Quotient und erhöhte Aldosteronsekretion) kann mittels Kochsalz-Belastungstest ein Hyperaldosteronismus ausgeschlossen werden. Alternativ kann ein Fludrocortisonsuppressionstest durchgeführt werden (Goldstandard). Bei geeigneten Patienten, insbesondere bei solchen mit guter linksventrikulärer Funktion und gut eingestelltem Blutdruck, ist der Test auch ambulant durchführbar. Hierbei wird auf die Nachtruhe verzichtet, die weitere Durchführung bleibt unverändert. Bei positivem Testergebnis und unklarem Ergebnis im Aldosteron-Orthostase-Test ist die selektive Katheterisierung der Nebennieren zur Lokalisationsdiagnostik notwendig, da in ca. bis zu 35% der Fälle mittels bildgebender Verfahren (CT/MRT) eine falsche Diagnose gestellt wird oder gar keine Diagnose gestellt werden kann.