Untersuchungen und Befragungen zum Kondomverbrauch weisen auf ein riskanteres Sexualverhalten in Deutschland hin. Für das erste Halbjahr 2005 wurden laut dem Robert Koch-Institut in Berlin bis zum September 20 Prozent mehr HIV-Neuinfektionen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres gemeldet, so dass für 2005 wieder mit einer deutlichen Zunahme von neuen HIV-Infektionen zu rechnen ist. In Deutschland erwarben zwar vorwiegend Homosexuelle die Krankheit, in den USA betrifft jedoch vermutlich die Hälfte der Neuinfektionen junge Menschen zwischen 13 und 24 Jahre. „Eine frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung ist deshalb für alle Jugendlichen wichtig. Der beste Schutz gegen Aids sind nach wie vor Kondome“, erklärt Frau Dr. Gunhild Kilian-Kornell, Pressesprecherin des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).
Reine Information alleine genügt aber nicht, wie amerikanische und deutsche Studien zeigen. Jugendliche müssen sich persönlich angesprochen fühlen, um Konsequenzen für ihre Entscheidungen daraus zu ziehen. Mädchen und Jungen haben dabei anscheinend unterschiedliche Vorgehensweisen: Mädchen beschäftigen sich laut ihren eigenen Aussagen häufig mehr mit den emotionalen Aspekten des Geschlechtsverkehrs, Jungen dagegen mit den körperlichen Vorgängen. In der Regel überlassen junge Männer immer noch die Verantwortung und Initiative bei der Verhütung ihren Partnerinnen. „Eltern sollten ihren heranwachsenden Kindern - zusätzlich zum schulischen Informationsangebot - Gesprächsmöglichkeiten für persönlich relevante Fragen anbieten. Wenn sie sich bei ihren Kindern erkundigen, was ihnen bereits in Bezug auf Verhütung und HIV bekannt ist, können sie dadurch zusätzlich bereits vorhandenes Wissen in Erinnerung bringen“, empfiehlt Frau Dr. Kilian-Kornell.
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